Fisherman’s Place

Peggy’s Cove, Nova Scotia, Kanada. Gegen Ende unserer Kanada-Reise weilen wir in Blandford an der Südküste von Nova Scotia für drei Nächte bei wunderbaren Gastgebern in einer sehr netten privaten Unterkunft. Hier gibt es nur ein paar Häuser, keine Infrastruktur, dafür aber reichlich Nebel. Am letzten Tag verabschieden wir uns gleich nach dem Frühstück von unseren Gastgebern. Wir wollen zuvor noch Peggy’s Cove ca. 45 Kilometer vor Halifax besuchen. Das Fischerdorf beherbergt den östlichsten Leuchtturm der bekannten Lighthouse Route entlang der Südküste Nova Scotias, ist zugleich das bekannteste Ziel dieser Route und touristisch entsprechend frequentiert – jedenfalls bei schönem Wetter … Auf dem Weg begleitet uns der übliche Nebel und als wir es erreichen, beginnt noch dazu leichter Nieselregen.

Schemenhaft tauchen nach und nach die kleinen Häuschen auf.

Die Sicht ist schlecht, doch lassen wir uns nicht von einem Rundgang abhalten. Und wieder einmal stelle ich fest, dass schlechtes Wetter auch sein Gutes hat: Die kleine Bucht mit den Fischerbooten, den Bootshäusern und den Hummerkäfig-Stapeln zeigt sich in einem „authentischen“ Ambiente – sozusagen raues Leben der Fischer am Meer. In Nova Scotia leben viele von und mit Hummerfang und Überfischung dürfte noch kein Problem darstellen(?), weil die Lizenzen sehr restriktiv ausgegeben werden. Diese sind tatsächlich nicht leicht zu bekommen und heutzutage sehr viel wert, wenn überhaupt mal eine verkauft wird. Das Geschäft mit dem Hummer ist offenbar nach wie vor lukrativ und die Berechtigungen werden meist weitervererbt.

Als wir uns nach der Bucht einer Anhöhe nähern, taucht langsam der abgeschliffene Granitfelsen mit dem Leuchtturm aus dem Nebel auf und am Fuß des Felsens bekommen wir bei relativ schwachem Wind und moderater, aber dennoch bedrohlich wirkender Brandung eine Ahnung, wie es hier bei wirklich rauer See aussehen könnte. Ohne die kleinen Touristengruppen, den unspektakulären Souvenirshop samt Restaurant und einen Dudelsack-Spieler – soll ein gewisser George Coombes sein, der das schon lange macht – auf dem Weg zum Leuchtturm könnte man die kleine Ansiedlung fast Geisterdorf nennen. Nicht einen Fischer sehen wir an Netzen, Hummerkäfigen oder einem Boot hantieren.

Es scheint viel los zu sein, es hält sich aber keiner lange auf. Einige Minuten später ist der Felsen wieder menschenleer.
Bei klarem Wetter bilden die bunten Häuschen ein pittoreskes Szenario.

Tatsächlich hätte das gesamte Ensemble mit den einzeln eingepflanzten, bunten Häusern bei schönem, klarem Wetter wie ein Freilicht-Museum gewirkt. Wären dann deutlich mehr Touristen hier gewesen? Laut Reiseberichten jedenfalls! Fischer hätte man vermutlich ebenfalls gesehen. Wir haben also Atmosphäre, können dafür aber keinen Eindruck von der Umgebung gewinnen, die Farben sind etwas „verwaschen“. Wir halten uns nicht länger auf, schlendern vorbei an einem weiteren kleinen Häuschen, in dem Kunsthandwerk feilgeboten wird, einem in den Fels gehauenen Fischerei-Relief und der etwas weiter landeinwärts situierten kleinen Kirche zum Auto zurück und setzen unsere Fahrt nach Halifax fort – der Nieselregen bleibt uns auch dort bis zum Abend treu.


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