Sansibar, Tansania

Freddie Mercury’s Home

Anflug auf Sansibar Stadt. Die ausgedehnten Plattenbau-Zeilen links fallen uns schon aus der Luft als untypisch auf.

Sansibar, Tansania

An die Ostküste nach Paje sind es nur 50 Kilometer. Nach ca. zwei Dritteln der Strecke passiert man den Eingang zum Josani Forest.

Stonetown, Sansibar Stadt, die Hauptstadt des halbautonomen, seit 1964 zu Tansania gehörenden Inselstaats, befindet sich im Westen der (touristisch interessanteren) größten Insel des Komplexes, Unguja. Die zweitgrößte ist Pemba. Wir haben ein Strandbungalow des „Arabian Night Hotels“ in Paje an der Ostküste gemietet. Der strahlend weiße Sandstrand blendet in der Sonne derart, dass es beinahe in den Augen schmerzt. Wie der Name des Hotels ahnen lässt, ist es islamisch geleitet: also kein kühles Bier und es ist Ramadan – essen erst nach Sonnenuntergang. Das kulinarische Angebot, auch generell entlang dieses Strandabschnitts, ist nicht groß. Wir finden in der Nähe doch noch ein offenbar italienisch geführtes Lokal, das etwas mehr anbietet.

Die Region ist zugleich ein Mekka für Kitesurfer, wie wir feststellen. Der Küste ist ein Riff vorgelagert, was eine breite, seichte, lagunenartige Zone schafft. Und der Wind ist tatsächlich ideal für die Sportler. Wir wollen nach der Safariwoche am Festland hingegen nur ein wenig relaxen. Zeit für einen Ausflug nach Stonetown, den alten Teil der Hauptstadt und auf eine Gewürzfarm haben wir allemal. Auf dem Weg in den nahen Mini-Supermarkt entdecken wir nicht weit von unserer Bungalow-Anlage ein kleines Büro, in dem man Ausflüge buchen kann. Büro ist vielleicht etwas übertrieben – es ist nur ein Holzverschlag mit Dach, wie der notdürftige Kunsthandwerks-Verkaufsstand nebenan. Das Ganze sieht irgendwie inoffiziell aus. Wir sollen eine Anzahlung zu leisten. Die leichte Unsicherheit überwinden wir und buchen … und der Kleinbus erscheint tatsächlich am kommenden Morgen. Für vier Personen zahlt sich das für den Veranstalter schon aus, es sind keine weiteren Fahrgäste dabei.

Auf einer Gewürz-Schaufarm, erster Stopp, mit anschließend typischem Verkaufsstand bekommen wir einen Kokosnussdrink und beobachten währenddessen einen geschickten Sansibarer beim Erklimmen einer stattlichen Kokospalme. In Stonetown angekommen, passieren wir als erstes einen ausgewachsenen Plattenbauten-Komplex, wie wir ihn aus Europa kennen. Beim Anflug ist uns der aus der Luft bereits aufgefallen. Das passt so gar nicht in das Bild der vielen kleinen, meist blechgedeckten Hütten. Und tatsächlich stammt der Bau aus den 1970er Jahren und wurde von der DDR unterstützt, wohl auf der Suche nach Verbündeten der Sozialistischen Idee. Die Kooperation war allerdings nicht dauerhaft, genauso wenig wie es die Plattenbauten gemessen an deren realistischer Lebensdauer sind. Sie wirken jedenfalls nicht gepflegt. In der Altstadt angekommen erinnert auf dem ehemaligen Sklavenmarkt ein Denkmal an das 100 Jahre zuvor (1870er Jahre) erlassene Sklavenhandels-Verbot. Nach dem Verbot wurde an der Stelle die Anglikanische Kathedrale von Sansibar errichtet. Der Schwarzmarkt existierte noch um die 20 Jahre länger, bis schließlich rigoros durchgegriffen wurde. Der Sklavenhandel war auf Sansibar einst ein lukratives, aber nicht minder grausames Geschäft.

Die islamische Prägung von Sansibar ist einerseits sicht- und spürbar, zum anderen erhalten wir von unserem Stadtführer vorsorglich Verhaltensregeln. Nämlich keinesfalls in der Öffentlichkeit, also auf der Straße, zu essen, da Ramadan ist. Das historische Zentrum lässt neben alten militärischen Festungsanlagen orientalischen Glanz vermuten, ist jedoch vielfach in desolatem Zustand. Die Hygienezustände am Fischmarkt sind nach unseren Maßstäben jenseits aller Kritik, kaum Kühleinrichtung und die hölzernen Präsentations-Tische erzählen von den Opfern einiger Jahre. Wir stehen plötzlich vor einer gepflegten holzbeschlagenen Eingangstür eines Wohnhauses, links und rechts gesäumt von je einer Vitrine mit Fotos: das Geburtshaus von Freddie Mercury. Der Guide nennt es mit einem etwas abfälligen Gesichtsausdruck das Haus „eures Freundes“. Dieser ist hier offenbar nicht beliebt, man konnte sich dem Ruhm des gebürtigen Sansibarers Farrokh Bulsara wohl aus touristischem Interesse dennoch nicht verschließen. Kaffeepause auf der Dachterrasse eines Touristen-Cafés. Beim Blick aufs Meer kann man die eine oder andere Dhau, die typischen Segelbote, beobachten.

Sansibar, Tansania

Wir befinden uns bereits auf der Rückfahrt nach Paje, da hat der Fahrer eine Idee und fragt uns, ob wir eine kurze Wanderung im Jozani Forest unternehmen wollen, wenn es noch möglich ist, da wir direkt am Eingang des Nationalparks vorbeifahren. Dessen Hauptattraktion, endemische Red Colobus Affen, könnten wir dort beobachten, so der Fahrer. Wir haben den Parkbesuch ursprünglich aus dem Grund erwogen, aber den Gedanken aus vermutetem Zeitmangel wieder verworfen. Wir stimmen ohne zu überlegen zu und bereuen es keinen Moment. Gerade rechtzeitig kommen wir zur letzten Führung des Tages mit einem Ranger des Nationalparks. Nach einem Waldspaziergang beobachten wir Krabben im Morast zwischen den Mangroven-Luftwurzeln. Kurz darauf stehen wir in einer bizarren Landschaft, Bäume mit heller Rinde, nahezu ohne Blätter.

Die Bäume scheinen abgestorben oder zumindest eine Gattung zu sein, die sehr ungewöhnlich aussieht. Verwundert über den Anblick, werden wir kurz darauf vom Park Ranger aufgeklärt. Das ist das Werk dieser entzückenden Colobus Affen mit den gestylten Frisuren. Und wir sehen mehr Exemplare, als wir zu hoffen gewagt hätten. Die Tiere sind zutraulich, nicht aggressiv und da sie konsequent nicht gefüttert werden dürfen, auch nicht aufdringlich. Wenn sie von Besuchern nichts bekommen, müssen sie sich halt an den Bäumen gütlich tun, bis auch das letzte Blatt abgeerntet ist. Und das erledigen sie offensichtlich gründlich. Der Kameraverschluss wird noch einmal heiß, bevor wir endgültig nach Paje zurückkehren.