Immer wieder Tremalzo

Riva oder Torbole? Wir haben zwar einige Jahre in derselben familiär geführten Garni-Pension in Riva geweilt, jedoch waren nicht immer ausreichend Zimmer frei. So sind wir auch schon mal in Torbole hängen geblieben. Die beiden Orte sind aber ohnehin quasi zusammengewachsen, unterbrochen nur durch den „Hausberg“, den Monte Brione, der bis zum See reicht. Eigentlich nur ein „großer Felsen“, etwa 370 Meter hoch (Aufstieg vom See 300 Höhenmeter). Oft fahren wir ihn zum „Aufwärmen“ am Anreisetag oder zwischendurch einmal, wenn wir noch ein paar Tages-Höhenmeter brauchen. Oben kann man bei guter Fernsicht Sirmione am südlichen Ende des Sees erkennen. Für Begeisterte bzw. sich das Zutrauende gibt es dann alternativ zur Auffahrtsstrecke eine kurze, knackige Trailabfahrt.

Blick von der Ostseite (Auffahrt zum Altissimo) auf Torbole und Riva am nördlichen Ende das Gardasees. Dazwischen schiebt sich der wie eine umgekippte Platte wirkende Monte Brione bis zum Ufer.

Auf der roten Route geht es ab Bocca dei Fortini Richtung Norden bergab und man kommt unterhalb des Ledrosees in Prè oder Biacesa an. Der blau eingezeichnete Track führt ab Bocca dei Fortini weiter nach Osten über den Passo Guil, den Passo Rocchetta und Pregasina ebenfalls wieder zurück auf die Ponalestraße. Bei der Erweiterung sind noch 200 bis 300 Höhenmeter zusätzlich zu erklimmen. Die Strecke verspricht bis Pregasina spannende zusätzliche Spaß-Abfahrt.

Von der Zufahrtsstraße zum See und vom Monte Brione aus sieht man bei klarer Sicht wie hier das Südufer des Sees. Durch den Felseinschnitt rechts hinten geht es ins Ledrotal.

Wir reisten anfangs (ab 2002) mit einer „Gardasee-Connection“, einer Sportlergruppe, die schon viele Jahre, ursprünglich zum Surfen und Klettern, hierher kam. Wir avancierten sehr schnell vom Gelegenheits-Radfahrer zum begeisterten Mountainbiker. Und landschaftlich wunderschöne Routen kann man hier wahrhaft reichlich finden und das mit verschiedensten sportlichen Herausforderungen. Eine der persönlichen „Königsetappen“ ist der Tremalzo-Pass. Es gibt hinsichtlich Leistung sicherlich Anspruchsvolleres, doch macht die Kombination aus Leistungseinsatz, technischen Anforderungen bei der Genuss-Abfahrt und gigantischem Bergpanorama den besonderen Reiz aus.

Der erste Abschnitt, Ponalestraße, Ledrosee und bis zum Biotopo Lago d'Ampola kurz vor dem Start der Tremalzo-Bergstraße. Der Ledrosee zeigt sich nicht immer freundlich, die Wolken bleiben gelegentlich hartnäckig in den Bergen hängen und lassen schon mal etwas Feuchtigkeit aus.

In den ersten Jahren sind wir zweimal die Schotterstraße, alte Militärwege, über den Passo Nota kommend hinaufgefahren. Nachdem allerdings die Wege-Erhalter immer mehr mit Bruchsteinen auffüllten und das Fahren auf dem losen Geröll immer schwieriger wurde, kamen wir auf die geniale Idee, anders herum zu fahren: Auf der gegenüberliegenden Seite des Tremalzo-Passes führt nämlich eine Asphaltstraße in Serpentinen hinauf, die wir sonst sehr unspektakulär hinuntergerollt sind. Also ab jetzt Aspalt rauf und der volle Spaß der Schotterabfahrten. Wenn man die Tour von Riva oder Torbole aus am See startet, hat man am Ende über 2100 Höhenmeter und 70 km in den Beinen.

Die ersten etwa 800 Höhenmeter sind abwechslungsreich, über die berühmte Ponalestraße mit herrlichem Seeblick. Dann geht es am Ledrosee vorbei bis zum „Einstieg“ in die Bergstraße zum Tremalzo. Die hat es aus einem anderen Grund als der sportlichen Herausforderung in sich. Die Steigung ist durchgängig unter 10 Prozent, also moderat. Die Straße windet sich gleichmäßig Serpentine für Serpentine ereignislos hinauf. Und da sind wir schon beim psychologischen Faktor: Alle hundert Meter ist eine Markierung angebracht und die ganzen Kilometer bis einschließlich 12 werden mit Tafeln angezeigt. Und unwillkürlich zählt man da mit. Anfangs half es etwas, wenn man mangels Erinnerung glaubte, bei 12 sei das Refugio Garda (Berghütte) oder gar schon der Passtunnel erreicht … aber irgendwann weiß man es dann besser. Zweieinhalb Kilometer und rund 220 Höhenmeter sind von der Tafel 12 bis zum Pass noch zu bewältigen. Dann hat man schon mal 1800 Höhenmeter und 44 Kilometer geschafft. Bei gutem Wetter rasten wir kurz beim Rifugio.

Hier, kurz nach dem Lago d'Ampola, beginnt die Passstraße, die bis zum Rifugio Garda, knapp 200 hm unterhalb des Passtunnels, mit PKWs und Motorrädern befahren werden kann und auch wird! Und es beginnt auch das Zählen der Kilometer ...

Belohnt wird man bereits am Pass durch überwältigendes Bergpanorama, vorausgesetzt die Fernsicht lässt das zu. „Nun heißt es, Sattel versenken und Höhenmeter vernichten“, wie man zur Abfahrtsvorbereitung in diversen Foren so liest. Ersteres ist sehr zu empfehlen, um den Schwerpunkt tiefer zu bekommen und bergab die Vorlage des Oberkörpers zu verringern. Manche Biker unterschätzen diesen Nutzen und das Risiko, sonst schneller über den Lenker abzusteigen. Und das kann sehr ungemütlich werden. Die Höhenmeter vernichtet man mindestens zu drei Viertel auf unbefestigtem Boden. Das bedeutet jedenfalls eine abwechslungsreiche, spaßorientierte Abfahrt. Aufmerksamkeit ist dabei sehr zu empfehlen, nicht zuletzt wegen des erwähnten losen Schotters und Sturz- oder gar Absturzrisikos. Ein paar kurze Gegenanstiege sind noch zu meistern, damit man schließlich auf die Gesamthöhenmeter kommt. Bei der nächsten Gelegenheit werden wir eine neue Variante der Abfahrt ab Bocca dei Fortini probieren, die über den Passo Rocchetta und Pregasina führt und noch mehr Abfahrtspaß bietet. Allerdings sind dabei noch 200 bis 300 hm mehr zu bewältigen – etwas früher starten?

Blick zurück zur Auffahrtsstraße, Rast am Rifugio und dann beginnt, bereits auf Schotter, der letzte Anstieg zum Passtunnel.
Bei der jüngsten Tour waren die Wetter-Bedingungen bei der Auffahrt etwas ungünstig, die Abfahrt jenseits des Tunnels aber weitgehend trocken.
Teilweise in etwas ausgesetzten Serpentinen vernichtet man auf Schotter nun einige hundert Höhenmeter bis zum Rifugio Paso Nota mit Einkehrmöglichkeit auf ca. 1200 Metern. Nach ein paar kurzen Gegenanstiegen geht es dann endgültig bergab. Zuerst noch auf Waldboden und Schotter und das letzte Stück über steile Rampen, die manche als schweißtreibende Auffahrt benutzen.
Knapp 8°C am Pass heißt warm anziehen für die Abfahrt.

Die jüngste (als dieser Bericht entsteht) Solo-Tour des Autors und hoffentlich nicht die letzte war etwas durchwachsen. Interessante Gewitterstimmung, die gelegentlich zur Eile mahnt, hatten wir schon öfter. Gelegentlicher Nieselregen, schlechte Sicht und 8 Grad Celsius am Pass machen diese Auffahrt jedenfalls etwas mühsam. Da sich das Wetter schon beim unbestimmt zeigt, ist warme Kleidung im Rucksack, die bei der Abfahrt zum Einsatz kommt. Zum Glück regnet es nicht mehr. Weniger Glück habe ich im untersten Abschnitt auf der Ponalestraße, nämlich nach einer kleinen „Schikane“ einen „Blitzplatten“ am Hinterrad. Der plötzliche, nahezu totale Luftverlust ist rätselhaft, da der Schlauch ein vergleichsweise kleines Loch aufweist und an Felge und Reifen keine Beschädigung zu sehen ist. Alles Nötige für den Schlauchwechsel dabei, ist es nur eine kurze Verzögerung. Ich komme noch rechtzeitig zu einem Kaffee in Riva, wo ich bereits erwartet werde, an.

Die Straße (nur für Fahrräder) Richtung Pregasina bietet herrliche freie Sicht auf das Nordufer mit Riva, Monte Brione, Torbole und das umliegende Bergpanorama. Das wäre die Abfahrtsroute zur Ponalestraße, wenn man die Tour über den Passo Rocchetta erweitern würde.