La Coccinelle – krabbel mal

Le Lavandou. Noch nicht lange im Arbeitsleben, habe ich den auffälligen, weil orangefarbenen 1200er mit heißen 34 PS günstig privat per Ratenzahlung erstanden. Das erste eigene Auto will nun getestet werden, also auf nach Südfrankreich. Nicht zuletzt durch die Reisetätigkeit im Beruf bin ich auf den Geschmack gekommen – reisen, andere Länder und Menschen kennenlernen. Der französischen Sprache zwar kaum mächtig, habe ich jedoch das kleine Erfahrungsplus, dass ich bereits 2 Jahre zuvor in Südfrankreich war. Damals bin ich meiner Familie mit dem Nachtzug in die Camargue gefolgt, da ich eine kürzere Zeit dort verbringen wollte als die anderen.

Mit dem guten Stück reiste man noch etwas langsamer, unkomfortabler und lauter, aber es rollte auch ...
Entlang der Küstenstraße geht es langsam dahin, man kann das Panorama genießen.

Die Erinnerungen sind schon etwas verblasst, Aufzeichnungen gibt es leider keine mehr. Begonnen, Reisen mehr oder weniger detailliert zu dokumentieren, habe ich erst viel später, richtig erst mit den „großen“ Reisen nach der Jahrtausendwende. Bei den Mountainbike-Urlauben am Gardasee noch später, mit dem zunehmenden Interesse, die Touren nachvollziehen zu können. Zuletzt habe ich sogar begonnen, die GPS-Tracks zu speichern, auch wenn uns die Touren mitunter schon reichlich bekannt sind. Bei den großen, noch nicht so weit zurückliegenden (Auto-) Reisen sind meine hinsichtlich Nachvollziehbarkeit bewussten Bilddokumente so umfangreich (den Speicherkarten sei Dank), dass die grundsätzliche Rekonstruktion problemlos möglich ist.

Es ist Sommer in Südfrankreich, wohl noch nicht so richtig Hauptsaison. Ich weiß auch nicht mehr genau, wie wir zur Wahl des Hotels in Le Lavandou, der kleinen Stadt am Mittelmeer, gekommen sind. An E-Mail ist noch nicht zu denken. Die guten alten analogen Hotelführer von Varta oder Michelin sind das Gebot der Stunde und ich meine, dass wir den Michelin nutzten. Telefonieren wäre nicht leicht gewesen, da – wie wir vor Ort erfahren – in dem Hotel nur französisch gesprochen wird. Alternative wäre das damals noch als technische Errungenschaft geltende Fax möglich gewesen, oder auch, das Hotel über ein Reisebüro zu buchen. Doch glaube ich nicht, dass wir vorgebucht hatten.

Das Haus existiert huete noch unter dem Namen und es werden Apartements angeboten.

Ausgestattet mit Hotelführer und papierenen Landkarten geht es los. Kein Handy, GPS und sonstige praktische Helferlein, ohne die man sich heute kaum noch aus dem Haus wagt. 2 Liter Motoröl haben wir vorsorglich im Kofferraum verstaut, der übrigens vorn ist – falls jemand den alten Käfer nicht kennt. Nicht nur Käfer benötigten damals permanent Öl-Nachschub, diese aber besonders. Auch an Zwischenstopps bei der Hinreise über Genua kann ich mich nicht mehr erinnern. Was mich aus heutiger Sicht besonders verwundert, ist die dermaßen sparsame Bilddokumentation, sodass die Rekonstruktion einiger Details unmöglich ist. Die Spannung dieser ersten Reise hat mich wohl meist vergessen lassen, die Kamera zu zücken. Allerdings waren Filme auch nicht billig und vor allem nicht wiederverwendbar wie Speicherkarten – sei hier für „Digital Natives“ angemerkt! 36 Dias oder Negative passten auf einen Film, manchmal eine Aufnahme mehr. Man überlegte noch viel genauer, ob ein Motiv wert ist, festgehalten zu werden.

Le Lavandou

Marseille

Tatsächlich haben wir einen Badeurlaub gemacht. Ziemlich „blauäugig“ (beide tatsächlich) unterwegs, kaum an Kultur und Details interessiert, ist von unserem Marseille-Abstecher auch nicht viel geblieben, außer ein paar Küstenfotos. Unter anderen eines von einer kleinen Insel, die ich lange für die Île d’If mit dem gleichnamigen Château gehalten habe (Graf von Monte Christo). Es ist aber nur die Île Gaby, näher an der Küste und heute wohl gelegentlich Event-Location(?). Ebenso wenige Bilder gibt es von Le Lavandou. Das Hotel unserer Wahl, Neptune, gibt es noch und es werden heute Appartements angeboten. Ein Teil des Strands ist frei und einige Abschnitte mit Sonnenschirmen und Liegen bestückt. Ich habe gerade entdeckt, dass es in den angrenzenden, allerdings nicht besonders hohen Hügeln ein paar Mountainbike-Routen gibt, sogar mit Trail-Abschnitten. Ob es uns mit den Bikes im Gepäck noch einmal dorthin treiben wird, in die Erinnerung sozusagen?

Auf der Rückreise stoppen wir kurz in Cannes, flanieren über die Croisette und betrachten den schmalen Strand mit den engen „Legebatterien“. Die Gastronomie suchen wir in der Gegend lieber nicht auf – soll ja nicht billig sein. Wir haben beschlossen, nicht wieder über Genua zu reisen und sind nach Nizza in die französischen Alpen abgebogen. Mal sehen, ob der Käfer auch diese Herausforderung meistert. Fasziniert sind wir von den Dörfern, deren Häuser scheinbar übereinandergeschichtet an die Felswand angelehnt sind. Es beginnt zu dämmern und wir haben noch kein Quartier. Vom Kulturdenkmal Saorge gibt es daher die letzten zwei Bilder, zugleich sogar die letzten dieser Reise.

Wir fahren noch ein Stück weiter bis nach Tende, wo wir, Michelin sei Dank, noch ein Hotel für eine Nacht finden. Zwar recht günstig, bekommen wir die gar nicht kleine Dachkammer, die irgendwie etwas düster, fast mystisch auf uns wirkt. Die Tatsache, dass wir bei Dunkelheit in dem Bergdorf angekommen sind, unterstützt wohl unsere Stimmung. Das Check-in in dem alten Gemäuer samt spärlicher Sprachverständigung hat das übrige beigetragen. Es ist in der Nacht nichts passiert, gespukt hat es auch nicht und wir bekommen vor der Abreise sogar ein kleines französisches Frühstück samt Croissant. Nun wird die Erinnerung wieder dünner. Wir haben wohl in St. Moritz im Auto(!) übernachtet und sind dann von dort aus durchgefahren, was die längste Etappe der Rückreise gewesen wäre.

Übernachtung im Auto ist uns vereinzelt „passiert“, wenn wir zu spät über die Reiseunterbrechung nachgedacht haben oder einfach den Aufwand vermeiden wollten. So z. B. auch, als wir mit den Kindern – nicht mehr im Käfer – ein paar Jahre später wieder nach Südfrankreich, genauer in die Camargue, fahren und auf einem Parkplatz am Genfer See unsanft durch eine Autoverfolgungsjagd mit Schusswechsel geweckt werden. Aber das ist eine andere Geschichte … insgesamt schon viel besser bildlich dokumentiert.