Ponalestraße glattgebügelt

Update 2022: siehe unten

2019, Gardasee, Riva del Garda. Die ehemalige Verbindungsstraße von Riva del Garda zum Ledrosee westlich des Gardasees, die seit einigen Jahren dem Sporttourismus zur Verfügung steht, wurde durchgehend geglättet. Das ist der untere Abschnitt ab Riva, ca. 3 km und 240 Höhenmeter, bevor ein alter asphaltierter Teil folgt, der in Serpentinen entweder nach Pregasina oder Richtung Ledrosee führt. Zuvor war es stellenweise nicht mehr als ein ausgetretener Pfad, mit gelegentlich seitlichen Erdhügeln, die von Mountainbikern für kleine Akrobatik-Einlagen oder einfach etwas Abwechslung während der beliebten Abfahrt genutzt wurde. So interpretiert und genutzt hatte man seitens Tourismus-Institution nun offenbar Bedenken.

Die Strecke wurde Mitte des 19. Jhs. für den Autoverkehr errichtet. 1982 wurde der untere sehr schwierige Teil durch zwei Tunnel ersetzt und die Ponalestraße vorerst gänzlich gesperrt. Mountainbiker und Wanderer benutzten sie dennoch und es kam 2000 durch einen Erdrutsch zu Todesfällen. Man entschloss sich zur Sanierung und Sicherung und im Sommer 2004 wurde der Abschnitt für Wanderer und Mountainbiker wieder freigegeben. Erstmals 2005 sind wir den Weg mit grandioser Aussicht auf den See, die gegenüberligenden Zweitausender Altissimo und Monte Baldo und nach Norden die Orte Riva, Torbole und Arco mit dem Mountainbike inzwischen schon unzählige Male gefahren.

Das obere Ende des unbefestigten Abschnitts früher. An manchen Stellen war die Sicherung zum Abgrund nicht Vertrauen erweckend.
Auf vielen Passagen ist jedenfalls ausreichend Breite vorhanden, bis 2018 allerdings nicht einmal voll genutzt.
Vor 2018 gab es noch keine Zuordnung des Wegs für Fußgänger oder Mountainbiker. Wer wollte, nutzte die kleinen Schikanen meist entlang der Felswand für Abwechslung. Das Geländer ist als Sicherung für Biker allerdings zu niedrig.
Ab 2018 wo möglich mit räumlicher Trennung zwischen Fußweg und Bikepiste. Ob die Bike-Akrobaten den Trennhügel wieder erobern werden?

Durch die Beliebtheit ist der Weg heute zu „Stoßzeiten“ von Wanderern und Bikern gleichermaßen stark frequentiert. Rücksichtnahme aller Beteiligten ist dabei unbedingt nötig. Es wird bei schwierigen Begegnungen sicher das eine oder andere böse Wort auf beiden Seiten der Freizeitsportler gefallen sein. Ganz vereinzelt sollen auch gar zu mutige Bike-Akrobaten abgestürzt sein, denn eine Geländer-Sicherung war nicht durchgehend vorhanden bzw. desolat – und im Fall des Falles geht es senkrecht entsprechend den bereits überwundenen Höhenmetern nach unten.

Seit der neuesten Sanierung können Fußgänger und Radfahrer nahezu ungehindert zugleich passieren. Der Weg weist mehr oder weniger getrennte Spuren auf, wobei sämtliche Unebenheiten entfernt, feiner Schotter aufgebracht und die Radspur so verbreitert wurde, dass weitgehend 2 Biker nebeneinander „gemütlich“ fahren können! Und das ist – eine dringende Vermutung – der rasant zunehmenden Zahl in der neuen Kategorie der E-Biker gezollt. Eine Zielgruppe, die sehr schnell wächst, die „archaische“ Generation bald, auch im wahren Sinn des Worts mittels E-Antrieb, überholt haben wird. Und die etwas mehr Geld ausgibt? Konfliktpotenzial und ebenso Absturzrisiko sollen also nun beseitigt oder zumindest maßgeblich reduziert sein. Der Abfahrtsspaß ist es jedenfalls ...

Stand der Dinge 2019

Aktuell ein paar Eindrücke von unserem jüngsten Gardasee-Urlaub im Juni 2019. Es ist noch nicht alles fertiggestellt auf der neuen „Ponale-Autobahn“, ein paar Geländer müssen noch montiert werden. Die Absicherung und bessere Begegnungsfähigkeit sind sicherlich große Vorteile und wie schon erwähnt dem stark zunehmenden E-Mountainbike-Tourismus gezollt und weniger dem Mountainbike-Sport. Ich hoffe, sie wird im unteren Bereich (bis zum Panorama-Café) nicht irgendwann ashpaltiert. Der obere Abschnitt vom oberen Ende des heutigen Autotunnels bis zum Café hinunter hat noch den alten Belag und kann theoretisch mit Autos befahren werden. Angelegt wurde diese abenteuerliche Straße 1848–1851 auf Initiative des Unternehmers Giacomo Cis als Verbindung von Riva in das sonst schwer erreichbare Ledrotal. Heute fährt man mit dem Auto durch einen Tunnel oberhalb der Ponalestraße. Ein kleines Stück nachdem die Ponalestraße oben auf die Tunnelausfahrt trifft, zweigt man mit dem Mountainbike auf die vor einigen Jahren angelegte Schotterstraße ab und entkommt so dem regen Autoverkehr nach Molina di Ledro.

Das Panorama ist zum Glück so herrlich geblieben wie auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 2013 ...

Update 2022

Nach unserer Mountainbike-Transalp von Imst an den Gardasee sind wir im Juni 2022 wieder in Riva. Und bevor wir abreisen, „müssen“ wir die Ponalestraße zum Ledrosee gefahren sein. Wie ist die Situation jetzt? Der Edelstahl-Drahtzaun, der die Straße bis zum „Ponale Alto Belvedere“, dem Panorama-Café oberhalb des Schotterabschnitts, sichert, dürfte jetzt weitestgehend fertig sein. Die Fahrbahn sieht wieder „nachgebügelt“ aus. Kaum Auswaschungen durch Regenfälle und wenig grober Schotter. Die neue Zielgruppe benötigt „sichere“ Wege … Einer der Tunnel im unteren Bereich wird noch immer saniert und ist wie schon 2021 gesperrt. Glücklicherweise gibt es eine Galerieumfahrung, die früher schon von Wanderern genutzt und nun etwas adaptiert wurde.

Alles glatt. Bei zu wenig Gesamtbreite ohne Abgrenzung für die Fußgänger.

Eine der Neuerungen der Strecke ist die Ausfahrt am oberen Ende des Autotunnels. Hier musste man die Straße queren und ca. 200 Meter später wieder links abbiegen, um auf den Radweg nach Biacesa zu gelangen. Das dürfte dem Verkehrsmanagement ein Dorn im Auge gewesen sein und stellt sicher ein gewisses Risiko dar. Nicht zuletzt deshalb, weil die Radleranzahl mit den E-Bikern deutlich zugenommen hat. So hat man die Ausfahrt – ein kurzer Tunnel – abgesperrt und kurz vorher eine Betonrampe in den Ponale-Graben, der zur Cascata Ponale und zum Gardasee abfällt, gebaut. Die Schlucht ist hier nicht mehr so tief eingeschnitten wie im unteren Bereich der Strecke. Die kurze Auffahrt auf der anderen Seite ist für alle gleichermaßen schwierig, weil sehr steil: Die Unmotorisierten müssen ordentlich in die Pedale treten und sind entsprechend langsam. Die E-Biker können mitunter nicht gut überholen (Gegenverkehr) und sind im Handling der Gefährte vielfach unsicherer. Der eine oder andere beider Kategorien schiebt einfach. Oben muss man ebenfalls ein kurzes Stück auf der Straße fahren. Diese Verbindungsstraße nach Pregasina ist aber nicht so frequentiert wie die zum Ledrosee.

Die weiteren Schotterabschnitte werden sukzessive geglättet.

Auch der weiterführende Radweg wird an verschiedenen Stellen saniert, geglättet, ausgebaut. Der Einstieg ist gleich einmal ein kurzes Stück asphaltiert worden. Kurz nach Biacesa folgen ein paar steile Rampen. Die untere ist bereits seit Längerem asphaltiert. Nach der Grotte wurde eine Schleife eingezogen, derzeit Schotter, die mit hoher Wahrscheinlichkeit noch asphaltiert wird. Dann folgt eine kurze alte Betonrampe und dann noch ein bisher recht unebener Schotterabschnitt bis Pre, der gerade planiert wird. Es hat in der Tat den Anschein, dass der Weg sukzessive befestigt wird und schlimmstenfalls immer mehr asphaltiert. Für E-Biker wird es somit fahrbarer, für Abfahrer mit dem Verschwinden der unbefestigten Abschnitte jedoch immer spaßfreier. Schade …

Auch 2022 erfreuen wir uns des wunderbaren Panoramas. Auf Unebenheiten der Strecke müssen wir kaum achten.

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