Qual der Nichtwahl – Teil 1

Wechsel der Bremsbelege steht öfter mal an ... und ist am Urlausort auch in „rustikalem“ Umfeld kein Problem.

Ich bin wie wohl die meisten Mountainbiker kein Techniker, resp. Fahrrad-Mechaniker. Nicht ganz ungeschickt, habe ich mich aus „realistischen“ Gründen mit der Materie soweit vertraut gemacht, dass ich die meisten Wartungsarbeiten für den Fahrbetrieb selbst vornehmen kann. Aufwand (Aufsuchen der Werkstatt, Wartezeiten) und Kosten sind dabei nicht unwesentliche Faktoren. Luftgefederte Gabel und Dämpfer zerlege ich allerdings nicht. Was ich jedoch gewagt habe, ist der Aufbau von Laufrädern. Nicht aus lauter Lust und Tollerei, sondern Anlass-bezogen. Und das war so: Irgendwann auf Bike-Urlaub habe ich beim Wechsel der Bremsbeläge zufällig festgestellt, dass beim Hinterrad ein leichter Seitenschlag vorhanden ist, der noch dazu variiert, je nachdem, ob der Reifen mit Luft gefüllt ist oder nicht. Zunächst dachte ich mir noch nicht viel dabei und die nächste Tour sollte auch schon wieder starten. Kurz, den Aufenthalt am Gardasee hat die Felge noch ein paar Tage überstanden.

Zurück in der Kellerwerkstatt ließ mir das Problem keine Ruhe. Nachdem ein Zentrieren durch zuvor erwähntes Phänomen zu mangelndem Erfolg führte, begann ich zu grübeln und recherchierte auch ein wenig. Nun ging es an die Ursachen-Suche: Das Bike auf den Boden gestellt, zur Seite geneigt und leichten Druck auf die Achse ausgeübt, also Seitenlast auf die Felge. Oh, die Felge gab sehr leicht nach und ein seitliches Wegdrücken um Zentimeter war ohne große Anstrengung möglich. Das kann nicht sein, dass eine Felge so wenig Seitenstabilität hat. Andere Felge geprüft: OK, lässt sich nicht biegen, auch bei starkem Druck nicht. Was war da los? Ich hatte keine Vorstellung über die mögliche Ursache, zumal einerseits die Speichen alle gespannt und stabil waren und andererseits an der Felge keine Beschädigung sichtbar war.

Ohne starke seitliche Belastung hielt die Felge noch einige Touren stand.
Erschreckende Entdeckung: die Schweißnaht des Felgenprofils ist stark beschädigt und teilweise gerissen.

Also die Felge ausbauen, Reifen, Schlauch und damit zusätzlichen Druck entfernen und noch einmal die Seitenstabilität testen. Natürlich unverändert … Besorgnis-erregend. Jetzt gab es nur noch eine Möglichkeit, nämlich das Felgenband zu entfernen und nachzusehen, ob da noch etwas lauert … was, konnte ich mir aber noch immer nicht vorstellen. Korrosionsspuren entdeckt – und da war sie, die Ursache: Risse im Felgenbett, die in der schwarz eloxierten Oberfläche relativ gut zu sehen waren. Zuerst entdeckte ich sie an der Schweißnaht der Felge – in sehr bedenklichem Umfang –, um gleich darauf festzustellen, dass das Felgenbett von Speichenloch zu Speichenloch über den gesamten Umfang gerissen war. Es handelt sich hier um eine moderne Hohlkammer-Felge, die also zwei durchgehende Flächen hat. Bei einer einfachen Felge würde ein Reißen die Felge sofort unbrauchbar machen.

Ich hatte von kollabierenden (seitliches Wegknicken) Felgen gelesen, allerdings ohne diesen Zusammenhang, und schon mal mit einer komplett weggebogenen einfachen Felge bei einem alten Jugendrad zu tun gehabt. Letztere hatte ich ausgebogen und -geklopft, zentriert und auch für den Betrieb mit Felgenbremse wieder voll funktionstüchtig gemacht. Die Hohlkammerfelge scheint aber den Verbund der Hohlkammer für ihre Steifigkeit zu benötigen. Im Nachhinein betrachtet war ich froh, dass das Rad gehalten hat, denn die Risse an der Schweißnaht hatten bereits ein bedenkliches Ausmaß. Ersatz musste her! Ein Blick auf Portale einschlägiger Anbieter von Ersatzteilen und es war schnell klar, dass die Auswahl an Fegen für 26 Zoll-Räder verschwindend gering war. Warum nun das?

Ich stellte fest, dass das Felgenbett über den gesamten Umfang der Felge gerissen war.
Mit den kleineren Laufrädern ist das Fully im Gelände wendiger.

Das Full-Suspension-Bike von Trek mit den Bontrager Felgen (Marke gehört ebenfalls zum Trek-Konzern) hatte ich 2013 gekauft. Kurz darauf begann der „Boom“ der „Twentyniner“, 29 Zoll Laufräder. Kurz darauf dachten sich die Hersteller aus, dass man auch noch eine Zwischengröße, 650B genannt mit 27.5 Zoll Laufrad-Größe, einführen könnte. Für kleinere Menschen waren die 29er vielleicht doch etwas zu groß? Hätte man es da nicht doch bei den 26ern belassen können? Nein, der Markt muss „belebt“ werden. Heute müssen Komponenten für 28er Treckingräder, 29er, 27.5er und 26er Mountainbikes vom Handel vorgehalten werden. Dazu kommen dann noch Kindergrößen. Die 26er wurden nun auf längere Sicht leider dem Aussterben preisgegeben.

Gut, fertige Felge Fehlanzeige! Vertrauensverlust ignoriert und bei Trek/Bontrager nachgesehen: man hat die Herstellung von Kompletträdern dieser Größe ganz eingestellt. Die Lauffläche allein war zwar noch erhältlich, doch plus Speichen und Werkstattkosten eine nicht so günstige Lösung. Da mir die asymmetrischen Felgen von Bontrager gefielen, durchsuchte ich den Gebrauchtmarkt, in der Hoffnung, dass viele auf die neuen Radgrößen umsteigen. Kurz: Ich wurde fündig und beschloss, mich „einzudecken“ und erstand zwei Paar. Ich wollte mir gleich eine Ersatzgarnitur bereitlegen, denn die zukünftige Verfügbarkeit scheint höchst ungewiss. Da mein Bike ansonsten in tadellosem Zustand ist, kommt für mich ein Wechsel vorerst nicht in Frage.

Zwei Felgen waren allerding nicht fahrfertig. Da die Nabe und die Speichen der defekten Felge noch in Ordnung waren (Nippel sicherheitshalber erneuert), beschloss ich, diese gleich neu aufzubauen. Anleitungen zum Zusammenbau sind im Web leicht zu finden, wenngleich das Ganze nicht so einfach ist, wenn man es noch nie probiert hat. Und es ist gut zu wissen, worauf man generell achten muss, und das Prinzip zu verstehen. Einmal ist immer das erste Mal. Und ich hatte ja meine „Muster“. Fazit: gelungen, bisher noch keine außerordentlichen Vorkommnisse! Jetzt habe ich also zwei Garnituren und eine weitere Lauffläche in Reserve. Die Seitenstabilität prüfe ich nun – vielleicht etwas paranoid geworden – von Zeit zu Zeit.

In Qual der Nichtwahl – Teil 2 habe ich Schlüsse aus meinen Recherchen gezogen – wie sieht der Mountainbike-Markt (ohne Motor) aus meiner Sicht heute aus …

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