Seeschlacht in der Wüste

Las Vegas. Die Stadt mit dem „Spielerambiente“ und den spektakulären Themenhotels ist wohl den meisten ein Begriff. Jede dieser meist gigantischen Anlagen, die urbane und Kulturstätten aus der ganzen Welt kopieren, ist in Wahrheit zuerst einmal Kasino, mit angeschlossenem Hotel, Restaurants bzw. Shopping Mall. Früher hat man intensiv versucht, die Gäste mit sehr günstigen Nächtigungskosten und ebensolcher Verköstigung – Stichwort „all you can eat“ – in die Kasinos zu locken. Der sogenannte „Strip“, der Las Vegas Boulevard, an dem eine Unmenge großer, teilweise sehr luxuriöser Kasinohotels liegt, hatte dem „Ur-Kasinoviertel“ Fremont Street ab den 1980er Jahren den Rang abgelaufen und die Spielerkunden weggenommen. Das Viertel war daraufhin etwas heruntergekommen, doch musste auch am Strip das Gewinn-Konzept nachjustiert werden. Heute ist die Fremont Street wieder gepflegt und sicher; wir haben uns bei einem „All-you-can-eat“-Besuch davon überzeugt.

Bei Las Vegas denkt jeder zuerst an Spielkasinos; und darauf ist das gesamte Stadtkonzept ja auch ausgerichtet. Die Freemont Street (Foto oben) hat sich auch wieder herausgeputzt.

Wir sind schon nach der Mittagszeit im Raum Las Vegas und beschließen, uns noch nicht in die heiße Stadt zu begeben, sondern zweigen zum Hoover Staudamm am Lake Mead ab. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die gewaltige Talsperre. Am Stausee bemerken wir bereits die Auswirkungen des Ressourcenbedarfs durch die Stadt: Eine sichtbare ursprüngliche Wasserlinie liegt einige Meter über dem aktuellen Stand.

Unsere Quartierwahl in Las Vegas fällt auf das Treasure Island, die Preise sind noch passabel, die Zimmerqualität sehr gut. Bekannt ist es durch das Wasserbecken vor dem Hotel, in dem allabendlich eine Seeschlacht stattfindet. Am Tag in der gleißenden Sonne ist von den nächtlichen Aktivitäten um die Kasinos nichts zu ahnen. Es ist heiß und die meisten Menschen halten sich nicht allzu lange im Freien auf. Eine Stadtbesichtigung ist dementsprechend anstrengend. Dennoch schlendern wir ein gutes Stück den Strip entlang. Wir werden jedenfalls auch eine Abendrunde drehen. Zur angekündigten Seeschlacht-Zeit müssen wir unbedingt vor dem Treasure Island sein. Als wir eintreffen, ist das Treiben um das Hotel bereits sehr lebhaft.

Der Eingang ist mit Schaulustigen verstopft, die Piraten scheinen sich und die Kanonen bereits aufzuwärmen. Die Touristinnen aus dem Alpenland haben sich bereits angestellt. Der Tourist, der einen guten Standort sucht, hat nach einem prüfenden Blick die geniale Idee, über das leicht zu überwindende Geländer des Hotelareals auf die kleine Tribüne zu steigen. Eine gute Idee? Der zweite Fuß ist noch nicht einmal richtig oben, schreit von der Tribüne bereits ein Security-Mann „Get down there, Sir“ (sinngemäß aus der Erinnerung). Da sich der Tourist nicht gleich angesprochen zu fühlen scheint, wiederholt er den Ruf sehr eindringlich und noch lauter. Nun hat der Angesprochene kapiert, dass er gemeint ist, tritt wohl oder übel den Rückzug an und wendet sich unauffällig dem regulären Eingang zu.

Schließlich hat er doch noch einen passablen Platz mit Aussicht ergattert. Alle blicken gespannt auf die beiden stilgerecht nachgebauten historischen Schiffe im vielleicht drei Meter tiefen Wasser. Zuerst verhandeln die Kapitäne, Akustik gepaart mit Fremdsprache machen das Verstehen allerdings nahezu unmöglich. Aber Bilder sagen mehr als Worte: offenbar konnte man sich nicht einigen. Plötzlich setzt die unausweichliche Seeschlacht ein, ein Spektakel aus Lichtshow, ohrenbetäubendem Kanonendonner und Rauch, bis eines der beiden Schiffe soweit versenkt ist, wie es eben das seichte Becken ermöglicht. Der Sieger steht fest. Nach einer dreiviertel Stunde ist es auch schon wieder vorbei, die verfeindeten Piraten gehen gemeinsam auf ein Bier ...

Ein kurzes Video, oder eigentlich kein richtiges Video, sondern ein paar vertonte Slides der Schlacht. Ein Teil der dreiviertel Stunde verging mit den Verhandlungen der Kapitäne. Verstehen konnte man in den hinteren Reihen nur wenig. Dafür war die Sicht von der erhöhten Position besser und der Ablauf war ohnehin leicht nachzuvollziehen. Die Schlacht samt Kanonendonner dauerte so lange, bis das unterlegene Schiff so weit abgesunken war, wie es das Wasserbecken zuließ.

So haben einige Hotels mehr oder weniger spektakuläre Attraktionen. Vor dem Bellagio gibt sich in einem größeren Wasserbecken ein Springbrunnen musikalisch zu Songs von Frank Sinatra. Oder vor dem Venetian fahren entschleunigte Gondeln – allerdings gemäß amerikanischem Sicherheitsbedürfnis Schienen-gesteuert – Touristen durch das nächtliche Venedig. Das römische Ceasars Palace bietet im Inneren eine geschlossene Shopping-Mall, an deren gewölbter Decke mit künstlichem Himmel wechselnde Tag-Nacht-Atmosphäre simuliert wird. Man verliert nach einiger Zeit das Gefühl für die Tageszeit und soll eigentlich nur ausgiebig einkaufen. Rund um das Luxor befindet man sich im antiken Ägypten, das Hotel hat die Form einer Pyramide. Gegenüber ist man in Manhattan.

Man könnte noch etliche Beispiele nennen. Nach einer gewissen Zeit haben wir w.o. gegeben. Den Eiffelturm, auf dessen echtem Pendant wir in Paris schon waren, haben wir nicht mehr bestiegen. Die Stadt ist irgendwie eine Art Erlebniszone, andererseits aber sinnfrei und Verschwendung sondergleichen, dekadent eben. Einen Abend verbrachten wir in der Fremont Street, samt Blick vom Stratosphere Tower aus auf das Lichtermeer von Las Vegas. Verschwendung unglaublicher Mengen an elektrischer Energie und Wasser des Colorado aus dem Hoover Damm Stausee, dem Lake Mead, findet hier statt. Die Stadt war nur eine Zwischenstation auf unserer Nationalpark-Tour, im Sinn von „das muss man mal gesehen haben“. Den zweiten Abend haben wir in der Freemont Street verbracht und am folgenden Morgen sind wir in Richtung Death Valley abgereist …

Der Las Vegas Strip, an dem viele der Themenhotels liegen, vom Stratosphere Tower aus

Las Vegas, USA

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