Sri Lanka - mit der Bahn im Hochland

Tea Train

Sri Lanka, zentrales Hochland. Wir fahren zu viert mit Sampath, unserem Fahrer und zugleich Guide, im komfortablen Van durch Sri Lanka. Im ersten Abschnitt unserer Rundreise haben wir die alten Königsstädte besucht. Nach Kandy, der jüngsten singhalesischen Hauptstadt bis das Reich 1815 von den Briten erobert wurde, ziehen wir im zentralen Hochland weiter nach Süden. Wir haben Bahntickets für einen Abschnitt der traditionellen Route gebucht. Und welch „grüner Anblick“ bietet sich uns während der Fahrt! Das Hochland ist vom Tee-Anbau geprägt, jede freie Fläche der hügeligen Landschaft scheint für den weltweit begehrten Rohstoff für köstliche Getränke genutzt zu werden. Das gemäßigte, ganzjährig feuchte Klima dieser Region schafft offenbar ideale Rahmenbedingungen.

Im Hochland gibt es unglaublich viele Teeplantagen.
Tea plucker. Die Pflücker ernten je nach gewünschter Teequalität Teile der oberen frischen Triebe.
Vor unserer Zugfahrt wandern wir in den Horton Plains durch eine mystische Nebellandschaft auf über 2000 Metern Seehöhe.

Auf unserer Reise legen wir einen Zwischenstopp in der Stadt Nuvara Eliya nahe unserem Startbahnhof ein. Bevor wir am späten Nachmittag in unserem Abteil Platz nehmen, werden wir eine ca. 3-stündige Wanderung in den Horton Plains unternehmen. Auch hier in dem 2100 bis 2300 Meter hoch gelegenen Nationalpark, an dem wir später mit dem Zug noch einmal knapp unterhalb vorbeifahren werden, herrscht an diesem Tag feucht-nebeliges Wetter. Sampath hält an einem zentralen Punkt im Park. Er wirkt etwas skeptisch, ob wir die Wanderung bei diesen Bedingungen wagen wollen – er wird nicht mitgehen. Vielleicht fürchtet er, wir könnten uns verirren oder nicht rechtzeitig zurück sein. Wir haben ja am Nachmittag einen Termin. Doch lassen wir uns nicht beirren, vereinbaren eine Abholzeit und ziehen los.

Wir sollten jedenfalls rechtzeitig zurück sein, da die Anfahrt einige Zeit in Anspruch nahm und wir diese Strecke nach Nanuoya zurück müssen, dem Bahnhof nahe Nuvara Eliya. Und ja, wir beenden unsere Wanderung rechtzeitig und schlängeln uns anschließend mit dem Van die Bergstraße wieder hinunter. In der Nähe der Stadt wird der Verkehr sehr lebhaft und wir sind unruhig, da die Abfahrtszeit schnell näher rückt. Doch wie wir es auch am Ende unserer Reise beim Transfer zum Flughafen zur Rush Hour in Colombo erleben werden, sieht es für uns „enger“ aus als es tatsächlich ist. Sampath bleibt gelassen, denn er weiß, was er tut. Wir können uns in aller Ruhe auf den Bahnsteig begeben.

Bei noch immer trübem Wetter erreichen wir den Bahnhof in Nanuoya rechtzeitig und begeben uns ohne Hektik auf den Bahnsteig.

Der Bahnsteig füllt sich mit internationalen aber auch einheimischen Touristen und leicht verspätet trifft der Zug schließlich ein. Es dauert nicht lange, bis wir unsere Plätze einnehmen können.

Die Bahnstrecke führt von Colombo über Kandy bis nach Badulla, ca. 20 Kilometer nördlich von Ella. Etliche Schleifen und Höhenmeter müssen bewältigt werden und die Geschwindigkeit ist infolge der Bedingungen ziemlich gering. Ein Vorteil, um die Fahrt und Aussicht zu genießen.

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Pattipola ist auf knapp 1900 Metern der höchstgelegene Bahnhof Sri Lankas.

Unsere Strecke beginnt also in Nanuoya auf ca. 1600 Metern Seehöhe, steigt auf einer Länge von ca. 18 km bis Pattipola, dem höchsten Bahnhof Sri Lankas, auf fast 1900 Meter an, um dann bis Ella auf ca. 1000 Meter abzufallen. Die Gesamtlänge dieses Abschnitts beträgt ca. 64 km. An sich startet der Zug in der Hauptstadt Colombo, fährt nach Osten bis Kandy und wendet sich dann nach Süden. Die wunderschöne Sightseeing-Strecke durch die Berglandschaft mit den unendlichen Teeplantagen beginnt kurz nach Kandy und endet in Badulla, zugleich Ende dieser Bahnstrecke in den Bergen ca. 20 km nördlich von Ella. Die Wahl des nicht allzu langen Teilabschnitts ist gut, denn der Zug fährt in den Bergen sehr langsam; wir sind knapp zweieinhalb Stunden unterwegs.

Praktischer Weise hat Sampath die Tickets besorgt, Platzkarten, und als der Zug eintrifft, wundern wir uns zuerst, dass er mit uns einsteigt. Gleich darauf erfahren wir warum. Es geht nicht nur um die Suche, sondern auch darum, unsere Plätze beanspruchen zu können. Sie sind nämlich bereits von einheimischen Reisenden besetzt, nach dem Motto „First come first served“. Nur gilt das diesmal nicht. In Landessprache hat Sampath die Situation schnell geklärt, wir verabschieden uns von ihm und er macht sich mit dem Auto auf den Weg nach Ella, unserem Zielbahnhof. Mit uns im Abteil ist eine Gruppe eher jüngerer Einheimischer unterwegs, die ausgelassen sind, singen und bereitwillig für Foto und Video posieren. So ist die soziale Atmosphäre schließlich sehr entspannt.

Eine ausgelassen singenede Gruppe Einheimische reist mit uns im Abteil.
Plätze an Fenstern und in den Waggon-Türöffnungen sind begehrt.

Die Aussicht? Wir fahren 2. Klasse und können die Fenster öffnen. Zwar mit Fensterplatz gesegnet und Kamera im Anschlag, halte ich es dennoch nicht lange auf dem Sitzplatz aus. Die Bewegungsfreiheit ist zu eingeschränkt, also Blick nur entlang einer Waggonseite, jedes Mal aufstehen, um aus dem offenen Fenster zu fotografieren. Ich habe bemerkt, dass die Waggontüren offen sind, sodass man auf Motivsuche die Seite wechseln kann. Ich melde mich bei meinen Reisekumpanen ab und begebe mich hoffnungsvoll zu den Einstiegen. Dort sieht die Situation allerdings so aus: Ich bin nicht der Einzige, da einerseits wohl nicht ausreichend Sitzplätze vorhanden sind und andererseits ich auch nicht der Einzige bin, der die erweiterte Sicht genießen will. Das heißt, vorerst sind die Türplätze besetzt, der Blickwinkel aus der zweiten Reihe ist entsprechend eng.

Hautnah das Erlebnis spüren und zu einem kleinen Abenteuer machen, allerdings nicht ganz ungefährlich, wenn man in der Türöffnung steht ...

Ich entschließe mich zu warten und nach scheinbar endlosen Minuten werde ich belohnt. Ein Fahrgast gibt die strategische Position in der Türöffnung auf. Meine Chance, die ich auch sofort nutze. Es ist die Seite, die ich eben von meinem Sitzplatz aus nicht gesehen habe, an der gerade eine beeindruckende Landschaft vorüberzieht und mir in Kurven „klassische“ Aufnahmen entlang der Waggons möglich macht. Ganz ungefährlich ist die stehende Position allerdings nicht. Halt bieten nur die Bügel an den Einstiegen und da ich eine Hand mit der Kamera immer wieder frei haben muss, ist es etwas unsicher. Die Geschwindigkeit ist zwar nicht hoch, reicht aber bei Sturz aus dem Waggon für mindestens schwere Verletzung. Es ist nichts passiert, obwohl sich manche Fahrgäste gefährlich weit „hinauswagen“. Verlasse ich die Position in der Tür, ist sie kurz darauf wieder besetzt. Mehrmals belege ich sie für einige Zeit und begebe mich erst gegen Ende der Reise wieder in das Abteil.

In der offenen Waggontür habe ich freie Sicht auf die Landschaft.

Grünes Land weit und breit. In den kleinen Stationen herrscht reger Betrieb. In Ella steigen mit uns einige Touristen aus.

Ziel erreicht, Sampath wartet bereits vor dem Bahnhof Ella.

Schließlich schaukeln wir um 16.45 Uhr gemächlich in Ella ein, verlassen mit sehr vielen Mitreisenden den Zug und lassen uns im Gedränge gen Bahnhofsausgang schieben. Sampath erwartet uns bereits. Ella ist ein lebendiges Straßendorf mit ein paar Restaurants und Bars. Dies ist wohl ein dem Zugtourismus angepasstes Ambiente für eine eher jüngere Zielgruppe, auch etliche Back-Packer. Unser sehr gepflegtes Hotel, Sky Green Resort, steht etwas außerhalb auf einer Anhöhe, gerade renoviert oder umgebaut und noch nicht einmal beschriftet. Sampath setzt uns auch hier wieder ab und ist samt Auto kurz darauf verschwunden. Wir ruhen etwas aus, nachdem wir eine Zeit für das Abendessen im Hotel vereinbart haben. Noch ein oder zwei Mal hören wir einen Zug, der nicht weit unterhalb des Hotels am Hang entlangzieht.

Viele Touristen scheinen in der kleinen Stadt Ella auszusteigen, denn es gibt auffällig viele Bars ...

Sri Lanka - mit der Bahn im Hochland

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